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Interview mit AQA 1-Euro-Jobbern - "Was ist denn dann Arbeit?!"
"Was ist denn dann Arbeit?" Ein-Euro-Jobs stellen ein Kernstück der Hartz IV-Gesetze dar. Über tausend ALG2-Bezieher sind allein im Main-Kinzig-Kreis (MKK) hiervon betroffen. Während faktisch eine (fast) All-Parteien-Koalition das Treiben der AQA unter dem Landrat Erich Pipa rückhaltlos unterstützt, protestieren Erwerbsloseninitiativen und andere Gruppen gegen diese Politik. Wir haben im Februar 2007 mit vier 1-€-Jobbern der AQA gGmbH ein ca. 2 stündiges Interview geführt. Im folgenden ein kurzer Gesprächsauszug aus diesem Interview: */* Wie seid ihr denn zu dem Ein-Euro-Job gekommen? *Klaus:* Wie ich zu dem 1-Euro-Job kam? Das war schon zwangsweise. Ich habe eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben müssen. Natürlich war ich anfangs froh etwas dazu verdienen zu können -- ist man immer, wenn man nur 345 € im Monat hat. Ich war ein halbes Jahr in einer Recycling-Anlage. In diesen Anlagen werden Elektro-Maschinen und Altgeräte zerlegt. Wir wurden max. 2 bis 3 Tage eingewiesen, es wurde erklärt was, wo, wie sortiert wird. Dann wurde nur noch darauf geachtet, dass man pünktlich kommt, arbeitet, nicht zu früh geht, die Regeln einhält. Keine Vermittlung, keine Angebote aus dem ersten Arbeitsmarkt und auch sonst nichts, nada! Die Arbeit war monoton, sehr monoton. */* Und du warst auch dort? *Heinz:* Ich werde wahrscheinlich mal dort eingemeißelt werden. Für mich sind es finanzielle Gründe. Ich habe meinen Rentenbescheid bekommen. Und davon kann man noch nicht mal als Einzelner, geschweige denn mit Familie überleben. Deshalb habe ich die Maßnahme weitermachen müssen. Rente kriege ich noch weniger, als ich jetzt bekomme vom Main-Kinzig-Kreis (MKK). Wir wollen ja auch noch was vom Leben haben. Es ist ja nicht so, wenn man älter ist, dass man abgeschossen wird oder in die Kiste springt. Hoffnungen mache ich mir nicht. Die Eingliederung von angeblich 24,1% in den ersten Arbeitsmarkt -- das sind jonglierte Zahlen des MKK. Die vermitteln für ein, zwei Monate zu einem Hungerlohn. Danach kommen die Leute wieder, sie sind aber erst mal aus der Statistik heraus. Und das nennen sie dann Vermittlung. */* Wird das Arbeitstempo kontrolliert? *Klaus:* Ja natürlich wird durch die Reihen gegangen. Wenn du langsam arbeitest, kann es passieren, dass du angemahnt wirst und wenn das öfter passiert, fliegst du raus und wirst sanktioniert, bekommst also eine 30%ige ALG2-Kürzung. Am Anfang hatten wir viele, die öfters mal aufs Klo sind oder Raucherpause gemacht haben. Die waren dann ruckzuck weg -- 30% Kürzung. Dann wurde eingeführt, dass man sich um aufs Klo zu gehen, abzumelden hat. Und es wurde z.B. zum Feierabend hin ein Eingang (Feuer-Fluchtweg) der Halle zugeschlossen, so dass du den Haupteingang benutzen und an den Büros vorbei musstest. Sonst sind schon mal welche kurz vor Feierabend etwas früher gegangen, um ihren Bus noch zu kriegen. Indem man die dann gezwungen hat, an den Büros der Chefs vorbei gehen zu müssen, hat man das dann unterbunden. So ist es mit der Zeit immer schärfer geworden. *Heinz:* Dort wo ich war ist es in dieser Beziehung noch frustrierender als bei denen. Es ist wirklich extrem, die Leute haben Angst. "Das ist hier wie im Knast", hat mir eine Frau gesagt, sie war so um die 60. Auf der Rückseite des Gebäudes sind breite Fenster und diese Fenster bringen eigentlich Licht zu dem, der da arbeitet. Die Leute sitzen allerdings mit dem Rücken zu den Fenstern. Und da geht der Chef von außen an die Fenster, und das macht er angeblich 2 bis 3 Mal am Tag. Die zerlegen dort große Maschinen -- da ist ein Krach drin! Und die Springen, da könntest du meinen, die kriegen 10,- Euro die Stunde. *Klaus:* Dieses Springen... ich meine, das ist der Hauptsinn dieser Jobs. Das Ganze ist doch nur eine Disziplinierungsmaßnahme. Die wissen doch selber, dass das keine Brücke in den 1. Arbeitsmarkt ist. Nur damit man sich nicht daran gewöhnen soll, nichts zu tun. *Heinz:* Wir mussten mal bei einem Umzug in ein anderes Objekt helfen. Ich musste damals etwas in einem engen Gang abstellen. Einer der Chefs fühlte sich durch unsere Arbeit behindert und hat mich zusammen geschissen. Ich ließ mir das aber nicht gefallen und machte ihn darauf aufmerksam, dass wir hier gerade am Arbeiten seien. Der regte sich total auf und entgegnete mir, dass wir keine Arbeit, sondern eine Maßnahme machen würden. Ja, was ist denn dann Arbeit?! *Jan:* Ich habe es probiert, was passiert, wenn man nicht hingeht. Von meinem 1-Euro-Job kann ich also nichts erzählen, weil ich nicht da war. Ich mache keine sinnlosen Maßnahmen mit. Als ich ALG2 beantragt habe, wurde mir als erstes ein 1-Euro-Job zugewiesen. Mal davon abgesehen, dass ich nie auf die Idee käme, vor 16 Uhr aufzustehen, um etwas zu tun, was mir nicht gefällt, war mir sofort klar, dass dieser Job nicht ganz legal sein kann. Natürlich wurde ich deswegen sanktioniert!
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