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Erfahrungsbericht eines 1-Euro-Jobbers - Erfahrungsbericht Recycling-Hof Nidderau-Heldenbergen Während ich diesen Erfahrungsbericht schreibe, denke ich an Eugen Wagner. Er war ebenfalls in dieser Maßnahme und ist, wie erst am 27 September bekannt wurde, in der Nacht vom 10. auf den 11. September 2007 im Alter von 47 Jahren verstorben. Er war aus Sachsen und ich glaube, dass er sich bei seinem Umzug nach Hessen etwas anderes als die Arbeitslosigkeit vorgestellt hatte. Erst recht nicht, seine letzten Tage in Hartz IV zu verbringen. Doch hier möchte ich von meinen Erfahrungen erzählen. Am 6.August 2007 habe ich im Recycling Center in Nidderau-Heldenbergen eine sogenannte „Qualifizierungs-maßnahme“ begonnen. Es ging im Grunde darum, festzustellen, welche Arbeiten ich überhaupt noch machen könne. Die erste Ungereimtheit im Vorfeld war, dass die Maßnahme bis zum 5. Februar 2008 laufen sollte. Meine Einglieder-ungsvereinbarung, die nur diese Maßnahme beinhaltet, läuft lediglich bis 18.12.2007. Weiterhin sollte nach meinem Wissensstand eine Arbeitserprobung - laut dem Sozialgesetz - nicht länger als 4 Wochen dauern. Als weitere Ungereimtheit musste man dort zwangsweise eine Arbeitsordnung und einen „Arbeitsvertrag“ unterschreiben, der nicht den Standards entspricht, die ich in den Firmen kennengelernt habe, in denen ich bisher arbeitete. Und dass will schon etwas heißen. Es gilt die Regel, wer nicht unterschreibt, fliegt raus und bekommt eine Kürzung. Am 22. März wurde für meine Person von der AQA eine amtsärztliche Untersuchung angeordnet. Das Ergebnis sah eine überwiegend sitzende Tätigkeit und KEIN schweres Heben vor. Dennoch bot mir, der in Heldenbergen vor Ort und für mich zuständige Arbeitsberater, Herr O., eine Arbeitsstelle als Abkanter von Stahlblechen an. Entweder lässt der Informationsfluss innerhalb der AQA sehr zu wünschen übrig, oder es ist schlichtweg eine zynische Verarschung. Vielleicht ist aber dieses AQA Beratungs- und Vermittlungspersonal doch nicht so qualifiziert, wie es der hiesige Landrat, Herr Erich Pipa, immer wieder vorgibt. Unter anderem wurde mir in Nidderau-Heldenbergen auch gesagt, „es diene der Arbeitsgewöhnung“. Eine „Arbeits-gewöhnung“ brauche ich nicht, ich kann auch nach 4 Jahren Arbeitslosigkeit, immer noch pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen. Darüber hinaus sollte ich mir von der Amtsärztin bestätigen lassen, dass ich keine 8 Stunden am Tag arbeiten könne. Bis heute warte ich auf den Arzttermin. Nicht nachvollziehbar ist das Verbot am Arbeitsplatz zu trinken. Der Pausenraum hat gerade mal 20 Sitzplätze bei etwa 40 Beschäftigten. Morgens werden ein Paar Stoffhandschuhe, die weder reiß- und schnittfest noch säurebeständig sind, für jeden ausgeteilt. Ebenso ein wenig Werkzeug. Das Werkzeug, dass vereinzelt auch an einigen Bänken liegt, ist in einem katastrophalen Zustand. Seit neuestem wurden alle Schlosserhämmer von den Plätzen eingesammelt, weil einige die nicht mehr weiter wussten, die Elektroschrottgeräte damit einfach zertrümmerten. Jeden Morgen werden 3-4 Leute eingeteilt, die auf einem LKW die Schrotteile aus den verschiedenen Haushalten und Sammelstellen im Einzugsgebiet abholen, wie weit sich dieses erstreckt ist mir unbekannt. Beim Abladen an der Rampe sind 1-Euro-Jobber und sozialversicherte „AQA-Angestellte“ (auch sog. „sozialversicherte Arbeitsgelegenheiten“) beschäftigt. Diese Arbeit beinhaltet eine permanente körperliche Belastung. Von Zeit zu Zeit werden dort einige neue 1-Euro-Jobber ausprobiert. In der Demontagehalle herrscht eine unzumutbare Lärmbelästigung, die sich vor allem in dem Ausschütten der Metall- und Kunststoffsammelbehälter in kleinere Transportwagen bemerkbar macht. Die Luft und die klimatischen Bedingungen in dieser Halle sind grenzwertig. Die Luft ist durch den vielen Elektroschrott sehr verstaubt. Eine Atemmaske bekommt man nur auf verlangen. Meine bisherigen Atemmasken waren gegen Ende der Arbeitszeit immer sehr stark verschmutzt. Es wird toleriert wenn keine/r eine Atemmaske trägt. Ebenso sind die Plätze an der Tür permanenten Kälteschüben ausgesetzt, weil die Tür sehr oft nicht geschlossen wird. Offensichtlich wird hier eine ernsthafte Erkrankung von „Mitarbeitern“ billigend in Kauf genommen. Diese Maßnahme hat nichts, aber auch rein gar nichts, mit einer beruflichen Qualifikation zu tun. Die beschäftigten Die sogenannten „Fachanleiter“ haben mit irgendwelchen fachlichen Kompetenzen oder einer Betreuung der 1-Euro-Jobber ebenfalls nichts zu tun. Sie überwachen dort als Aufseher mehr oder weniger die Arbeitsdisziplin der einzelnen Leute. Einige der dort beschäftigten sind (trotzdem) froh, dass wegen des Geldes zu tun und beantragen auch eine Verlänger-ung. Das ist meiner Ansicht nach auch verständlich und legitim für diese Personen, aber verwerflich vom Main-Kinzig-Kreis (MKK), in Form der AQA-GmbH, weil dort normale Arbeitsplätze durch 1-Euro-Jobber ersetzt werden, mit der Begründung, dass es sich hierbei um eine „Qualifizierungsmaßnahme“ handelt. Ein junger Mann unter achtzehn Jahren ist dort auch beschäftigt, zu gleichen Arbeitsbedingungen, wie die Volljährigen. Das nennt die AQA, unter ihren Großsprechern Pipa und Freund, eine Ausbildung. Des weiteren findet dort fortwährend eine Verdächtigung und Kriminalisierung Erwerbsloser statt. Sollten dort Dieb-stähle entstehen, wären diese eine logische Folge von Hartz IV und der Umsetzungen dieser Gesetzte durch die AQA. Die meisten der 1-Euro-Jobber sind aber ehrliche Leute. Vielleicht schließt hier der Autor dieser „Gebote“ von sich auf andere. So wie sich die AQA unter dem Dach des MKK verhält, ist das kriminell und die politischen, wie auch rechtlichen Konsequenzen müssen dringend gezogen werden, um weiteren Schaden für unsere Region und die Menschen abzuwenden. Summa summarum geht es dem MKK nicht um das Wohl der Langzeitarbeitslosen, sondern darum, aus der gesetz-lichen Pflichtaufgabe der Elektroschrott- und Altgeräterücknahme, ein lohnendes Geschäft zu machen. Mit wenig Auf-wand traumhafte Gewinne erzielen und der Öffentlichkeit vorgaukeln, es seien Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt. Damit hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Öffentlichkeit sollte sich nicht blenden lassen, deshalb auch mein Erfahrungsbericht. Hanau, Okt. 2007
Name und Anschrift des Verfassers dieses Erfahrungsberichtes liegen dem Erwerbslosenkreis Hanau vor.
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